Der große

Zustandsbericht zur Lage im Familienrecht

in Deutschland 2020 / 2021


Vorwort Zustandsbericht zur Lage im Familienrecht in Deutschland
Cornelia Spachtholz

Eltern zu sein heißt, für Kinder Verantwortung zu übernehmen. Eine Verantwortung, in der Mutter und Vater nicht nur während der Kindheit, sondern ein Leben lang stehen werden. Eltern – Mutter oder Vater für ein Kind zu sein ist eine lebenslange Aufgabe – unauflöslich und losgelöst davon, ob zwischen den Eltern eine Paarbeziehung besteht oder nicht.

 

Als Verband berufstätiger Mütter setzen wir uns seit jeher als Lobby berufstätiger Mütter und solcher, die es (wieder) werden möchten, für die bessere Vereinbarkeit von Beruf und Familie von Anfang an, und im gesamten Lebensverlauf für Frauen als auch für Männer ein. Dies schließt auch die Zeit nach einer Trennung der Eltern ein. Umso trauriger macht es zu sehen, dass es Kinder gibt, die einen geliebten Elternteil verlieren und dass andere Elternteile bis an oder über die Grenzen hinaus belastet werden – sei es als Alleinerziehende oder auch als entfremdete Väter oder Mütter.

 

Nach wie vor wird strukturell und kulturell bedingt, trotz steigender Erwerbstätigkeit von Müttern und früherem Wiedereinstieg nach der Elternzeit, in vielen Familien mit Paarbeziehung der Eltern ein tradiertes Familienmodell gelebt, trotz der bestausgebildetsten Frauengeneration jemals. Ganz selbstverständlich gehen wir überwiegend noch immer davon aus, dass nach einer Trennung vor allem die Mutter sich um die Betreuung der Kinder zu kümmern und dafür beruflich zurückzustehen hat. Ganz selbstverständlich gehen wir davon aus, dass in der Regel der andere Elternteil, der Vater, für die finanzielle Versorgung der Familie verantwortlich ist und übersehen dabei seine Rolle als auch emotional für Kinder wichtiger und präsenter Elternteil. Und die Kinder werden dann einem Elternteil „zugeordnet“ – von Wohnsitz manifestiert mit geltendem Melderecht bis hin zur steuerlichen Berücksichtigung der Elternschaft, wo das Kind bzw. die Kinder gemeldet sind; unabhängig davon, wie die Betreuungsverteilung zwischen den Elternteilen tatsächlich stattfindet und vor allem, ohne das berücksichtigt wird, dass Kinder für ein gesundes Aufwachsen eigentlich beide Eltern im Alltag und Leben benötigen.

 

Im Bewusstsein vieler Menschen hat sich in den letzten Jahrzehnten bereits ein Wandel hin zu gemeinsam gelebter, gleichberechtigter Elternverantwortung vollzogen. 2017 stellte das Institut Allensbach in einer für das Bundesfamilienministerium erstellten Studie bereits fest, dass 77% der Menschen in Deutschland eine gleichberechtigte und gleichverantwortliche Elternschaft von Mutter und Vater befürworten. Diesem bereits erfolgten, gesellschaftlichen Wandel haben sich Gesetze und Rechtsprechung bisher nicht angepasst und bilden auch im Jahr 2020 häufig noch nicht mehr existente Strukturen wie in den 1950er-Jahren des letzten Jahrhunderts ab. Wir müssen dringend anfangen, diese alten Rollenzuordnungen von Müttern und Vätern aufzubrechen, denn zwischen diesen Linien werden die aufgerieben, für die Eltern eigentlich Verantwortung übernehmen wollen und sollten: Unsere Kinder.

 

Der hier vorliegende Zustandsbericht liefert einen wichtigen Einblick in den Zustand des deutschen Familienrechts. Er zeigt vor allem in den Betroffenenberichten in bedrückender Deutlichkeit, welch menschliches Leid verursacht wird, wenn Familien, die eigentlich Unterstützung benötigen, in Krisensituation wie die einer Trennung von Eltern als Paar in ein Familienrechtssystem kommen, das hierauf offensichtlich nicht ausgelegt ist. Wir brauchen eine zeitgemäße gleichstellungsorientierte Familienpolitik durch die überfällige Veränderung der entsprechenden Gesetze. Dieser Bericht sollte daher auch als eindringlicher Appell zur Veränderung verstanden werden.

 

Erreichen werden wir dies nur, wenn wir in unserem Bewusstsein und vor allem auch in unseren gesellschaftlichen, gesetzlichen und politischen Rahmenbedingungen den Grundsatz der gemeinsamen Verantwortung beider Eltern für Kinder verankern – von Anfang an und in deren gesamten Lebensverlauf. Das Leitbild des Alleinerziehens nach einer Trennung hat zu erheblichen beruflichen Nachteilen und Überlastung des alleinerziehenden Elternteils, in der Regel der Mutter, geführt, Armut und psychische Belastung von Kindern gefördert und Väter aus der Verantwortung für ihre Kinder gedrängt. Daher setzen wir uns als Verband berufstätiger Mütter e.V. auch seit Jahren aus voller Überzeugung für das Leitbild des Wechselmodells bzw. der Doppelresidenz für Nachtrennungsfamilien ein. Wir laden zum Perspektivwechsel ein und fordern, wo immer es möglich ist, dass alles unternommen werden sollte, um beide Eltern gleichwertig in die Alltagsbetreuung der Kinder einzubinden und unseren Kindern zwei Zuhause zu geben.

 

Auf den Punkt: Müttern mehr Karriere, Vätern mehr Familie und unseren Kindern beide Eltern.

Dies würde uns nicht nur gesellschaftlich und in der Gleichberechtigung einen massiven Schritt voranbringen. Es würde auch viele dramatische Fälle von Eltern-Kind-Entfremdung, wie man sie hier in den Betroffenenberichten nachlesen kann, verhindern. Dies sollte uns allen Auftrag, Motivation und Herzensangelegenheit sein.

 

Cornelia Spachtholz

Co-Sprecherin des Bündnis doppelresidenz.org

Vorstandsvorsitzende des Verband berufstätiger Mütter e.V.

Initiatorin Equal Pension Day

 



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