Mia 11 Jahre

Kindermund

Ich wohne bei meinem Papa. Manchmal bin ich auch bei Mama, das ist schön, mein Bruder ist nicht da und ich habe meine Mama für mich allein. Meine Eltern streiten sich oft, weil ich zu spät zu Papa zurückkomme, oder weil er Mama nicht immer alles sagt, oder weil ich länger bei Mama bleiben will. Als sie sich das letzte Mal an der Haustür gestritten haben, hat mein Papa gesagt: „Jetzt zerrst Du die Kinder auch noch vor´s Gericht.“ Das hat mir Angst gemacht und ich konnte gar nicht mehr schlafen. Dann hat das Gericht mir einen Brief geschrieben, dass ich mit einer Frau reden muss. Mein Papa hat dann wieder geschimpft und Mama hat gesagt, was ich sagen soll. Die Frau war dann aber sehr nett und hat mich gar nicht gezerrt. Sie hat gesagt, dass ich ihr sagen soll, was ich will und was ich denke. Das hat ewig gedauert, weil ich wirklich Alles gesagt habe. Später sollte ich auch noch mit dem Richter reden. Frau Danek war auch wieder dabei. Der Richter war auch nett, er hat gesagt, dass er 2 Enkelkinder hat und er hatte Malbücher in seiner Schublade. Dann hat er gesagt, er muss jetzt mal ein ernstes Wort mit meinen Eltern reden. Ich habe ihm gesagt, aber bitte nicht so streng, eigentlich sind sie ja meistens lieb.

Mia, 11 Jahre


Das sagt die Expertin:

Mia geht gern zu Mama und ist gern bei ihrem Papa. Aber, dass die sich so oft streiten, ist furchtbar. Nur wegen ein paar Minuten Zu-spät-kommen, oder weil ich zu warm oder zu kalt angezogen bin? Oder, weil wir Schwimmen waren und ich nasse Sachen dabei habe? Das ist schwer zu verstehen, dass man da zum Gericht muss. Nein, deswegen muss man auch nicht zum Gericht. Mias Eltern haben das gemacht, weil sie sich streiten. Warum? Vielleicht hat Mama Angst, dass Mia Papa lieber mag und mehr bei ihm sein will? Vielleicht hat Papa Angst, dass Mia mehr bei Mama sein will? Vielleicht müssen sie erst lernen, wie man sich streitet? Ja – manchmal müssen Erwachsene das auch. Damit der Richter beim Gericht das auch versteht, werden auch die Kinder gefragt. Dann kommt für die Kinder extra eine eigene Anwältin oder ein eigener Anwalt. Nur für Euch. Damit Ihr Alles sagen könnt, was Ihr denkt und was Ihr wollt. Das ist manchmal leichter, als mit den Eltern zu reden. Und die wissen danach vielleicht besser, dass man sich nicht so streiten muss.

Tipp:

In vielen Orten gibt es neben kirchlichen Trägern, wie Caritas Verband oder Diakonisches Werk, Freie Träger der Jugendhilfe (Der Paritätische oder Kinderschutzbund, Familienzentren, Pro Familia, Erziehungsberatungsstellen) sowie Initiativen und Selbsthilfegruppen mit Angeboten zum Thema Trennung und Scheidung. Dies ist von Ort zu Ort verschieden.

 

Für Eltern gibt es Kurse und Gruppen, in denen sie Gehör finden, sich austauschen und aussprechen können: „Kinder im Blick“ oder mit Kindern gemeinsam auch „Kinder aus der Klemme“.

 

Vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend: 

Für Kinder: „Nummer gegen Kummer“: 116 111

Für Erwachsene: “Nummer gegen Kummer“: 0800 2255530

 

Weiterhin kann das örtliche Jugendamt über Hilfsangebote informieren.

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